Nationale Armutskonferenz und Diözesan-Caritasverband verteilen Scheren vor dem Kölner Dom


Köln. In einer gemeinsamen Aktion haben die Nationale Armutskonferenz (nak) und der Kölner Diözesan-Caritasverband am heutigen Freitag (2. Oktober) vor dem Kölner Dom kleine Scheren an Passanten verteilt. Die Mini-Scheren stehen symbolisch für die größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland.

 

Die Aktion fand im Rahmen des 10. Treffens von Menschen mit Armutserfahrung am 2. Oktober in Köln statt. Die Nationale Armutskonferenz (nak) gibt Menschen mit wenig Einkommen die Gelegenheit, sich über ihre Situation auszutauschen, ihre Sichtweisen einzubringen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

 

13 Millionen (16,1 Prozent) der rund 82 Millionen Einwohner in Deutschland sind armutsgefährdet oder arm. Sie leben von kleinen und kleinsten Einkommen, oft aufgestockt um so genannte Hartz IV-Leistungen, oder sie sind vollständig angewiesen auf Grundsicherung oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Es sind junge Menschen, alte Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit geringer formaler Bildung, Menschen mit Behinderung oder psychischen Störungen, Menschen mit Migrationshintergrund und viele alleinerziehende Frauen.

 

Das Einkommen von armen und verschuldeten Haushalten besteht in der Regel aus Leistungen des SGB II und XII oder aus Arbeitsverhältnissen, die knapp oberhalb der Regelleistungen liegen. Für alleinstehende Personen bedeutet dies, lediglich etwa 30 Euro pro Monat für Strom zur Verfügung zu haben (acht Prozent des Regelsatzesvon derzeit 399 Euro). Von diesem Budget muss gekocht und gewaschen, das Licht bezahlt und der Computer bedient werden, das Handy und alles andere, was einen Akku hat, aufgeladen werden und vieles mehr.

 

Die soziale Herkunft, also die Geburt in ein Elternhaus, bestimmt gerade in Deutschland massiv über Bildungschancen, Einkommen und die Wahrscheinlichkeit, beruflichen Erfolg zu haben. Das zeigen übereinstimmend nationale und internationale Studien.
Dabei könnten schon kleine Dinge eine Menge bewirken:
- kostenfreies Mittagessen für alle Kinder in Tageseinrichtungen;
- Lernmittelfreiheit und günstige Schülerfahrkarten, damit das Aufsuchen von kulturellen Einrichtungen und Vereinen nicht am fehlenden Nahverkehrsticket scheitert.

 

Über Reichtum wird viel weniger gesprochen und geforscht als über Armut. Die Gründe für diese Lücke in der Forschung sind nicht eindeutig, legen jedoch den Schluss nahe, dass an den Ursachen des bei wenigen Menschen wachsenden Reichtums nicht gerührt werden soll. Es sind auch politische Entscheidungen, die dazu führen, dass die reichsten zehn Prozent der Deutschen über 74 Prozent des gesamten Nettovermögens verfügen. Die Abschaffung der Vermögenssteuer im Jahr 1996 ist ein Beispiel für eine aktive Entscheidung zugunsten der Reichen in Deutschland und steht in drastischem Kontrast zu den 25 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in NRW, die nicht in der Lage sind, von ihrem Einkommen etwas zurückzulegen und permanent mehr ausgeben als sie einnehmen.

 

Weitere Bider zum Ereignis:

 

 

Weitere Infos: Michaela Hofmann, Tel.: 0221 / 2010 288,
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Fotohinweis: DiCV Köln/ Jo Schwartz