Armut liegt immer dann vor, wenn eine Person ein soziokulturelles Existenzminimum nicht erreicht, oder anders ausgedrückt: Wenn sie keine angemessene Teilhabe an der Gesellschaft hat und so ausgegrenzt ist. Im Falle eines Sozialstaats ist ein Existenzminimum gemeint, das sich eher an einer „mittleren“ Lebensweise orientiert und das auch den Aufwand umfasst für eine Mindestversorgung in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Bildung, Transportmöglichkeiten, Information, kulturelle Beteiligung, Rechtsschutz, soziale Kontakte und soziale Integration.

Für viele Lebenslage-Dimensionen ist das verfügbare Einkommen die wichtigste Voraussetzung. Die meisten Untersuchungen zu Armut gehen daher vom Einkommen als der zentralen Ressource aus. Der zweite und dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung orientiert sich an einem relativen Einkommensbegriff, bei dem die Armutsgrenze – die Bundesregierung spricht von „Armutsrisikoquote“ – auf 60 Prozent eines mittleren Einkommens (Medianeinkommen) festgelegt wird. Die Untersuchung folgt dieser anerkannten Definition von Armutsgrenzen, die auch innerhalb der Europäischen Union als verbindlicher Indikator zur Armutsmessung gilt.

 

(Quelle: Dr. Martens, Rudolf: Armut in Deutschland 2005 bis 2010; Text erstellt für die Nationale Armutskonferenz)